Rothenbaum

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„Zwei Sitzplatzkarten Tribüne Reitbahn, bitte“ – so der Fußballkunde an der Kasse. Wieso „Reitbahn“? Neben dem ehemaligen Sportplatz Rothenbaum befand sich früher eine Reitbahn-Anlage, auf der Pferdesport-Veranstaltungen stattfanden. Zu Kriegsbeginn 1939 wurde diese Anlage beschlagnahmt, und es wurde dort ein Bunker gebaut, in dem die Verteidigung Hamburgs untergebracht wurde.
Dieser Bunker wurde nach dem Kriege durch Rundum-Bebauung ergänzt. Heute steht dort und auf dem ehemaligen HSV-Sportplatz das Medium-Center mit vielen Firmen, wie Hamburg 1 und Kerner und so weiter.
Aber zum damaligen Fußball-Ereignis HSV gegen FC St. Pauli. Die Zuschauermassen setzten sich vom Bahnhof Dammtor und aus Richtung Altona in Bewegung. Viele mit der legendären Straßenbahn-Linie 18 über die Rothenbaumchaussee und der Linie 27. Am Eingang wurde das „Lipphardt-Sportprogramm“ für einen Groschen (10 Pfennige) verkauft. Viele Fußballfreunde hatten sich vor dem Spiel einen Tisch im Clubhaus in der ehemaligen Ritterburg (gegenüber vom Platz) zum Mittagessen reserviert. Wer rechtzeitig auf dem Platz war, konnte die überdachte Stehtribüne (damals einmalig in Deutschland) nutzen. Die Mannschaften zogen sich im Keller des Clubhauses um und wurden unter Polizeischutz über die Rothenbaumchaussee auf den Platz gebracht. Vor den Seitenlinien war ein Seil zum Schutz des Rasens gespannt. Zum Spielbeginn wurde es eingezogen. Das Stadion war zu diesem Lokalderby mit 25.000 Zuschauern ausverkauft. Die Halbzeit verbrachten die Mannschaften auf dem Spielfeld. Bei Regenwetter suchte man Schutz unter dem Tribünen-Vordach.
Nach Spielende strömte alles über die Laufbahn dem Ausgang zu. Manch einer verlor in diesem Gedränge seinen Mantelknopf. Das Clubhaus war durch Polizisten auf Pferden abgesperrt. Nur mit speziellem Ausweis gab es ein Durchkommen.
Nachdem sich die Masse der Zuschauer verstreut hatte, blieb vor den Kassenhäusern eine „Einheit“ stehen: der Debattierclub ! Die unterschiedlichsten Meinungen wurden dort zusammengetragen. Wie es alles hätte besser gemacht werden können und so weiter. Noch Stunden nach dem Spiel stand man zusammen und erzählte vom Fußball (je nach Spielausgang) aus besseren Tagen. Und verabredete sich zum nächsten Spiel.


